Digitals Buch des DRK Borken
Ich lebe nun seit drei Jahren in Deutschland. In dieser Zeit habe ich viel gelernt, viele neue Menschen kennengelernt und immer versucht, im IT-Bereich eine passende Stelle zu finden. Doch neben den normalen Schwierigkeiten der Jobsuche habe ich auch immer wieder Erfahrungen mit Rassismus gemacht.
In der Straßenbahn (2022) – Im ersten Jahr in Köln fuhr ich mit der Straßenbahn. Neben mir setzte sich ein älterer Herr ungern hin, schaute mich böse an und sagte: „Ihr nehmt uns alles weg.“ Niemand im Wagen reagierte. Für mich war das ein Schock, weil ich einfach nur zur Universität fahren wollte und plötzlich, wie ein Fremder behandelt wurde.
Wohnungssuche (2023) – Im zweiten Jahr suchte ich dringend eine Wohnung. Am Telefon war ein Vermieter freundlich, bis ich meinen Namen nannte. Dann meinte er sofort, die Wohnung sei vergeben. Ein deutscher Bekannter rief wenige Stunden später an – und bekam problemlos einen Besichtigungstermin. Da spürte ich klar: Nicht meine Qualifikation oder mein Charakter zählten, sondern nur mein Name.
Bewerbungsgespräche (2024) – Im dritten Jahr hatte ich mehrere Bewerbungsgespräche im IT-Bereich. Oft hörte ich Sätze wie: „Ihre Deutschkenntnisse sind gut, aber wir suchen jemanden, der besser ins Team passt.“ Einmal fragte mich sogar jemand direkt: „Wie lange wollen Sie überhaupt in Deutschland bleiben?“ Ich fühlte, dass nicht meine Fähigkeiten, sondern mein Hintergrund der eigentliche Grund für die Absage war.
Diese drei Jahre haben mir gezeigt, dass Rassismus nicht nur in großen, offenen Beleidigungen sichtbar ist, sondern auch in kleinen, versteckten Bemerkungen oder Benachteiligungen. Das tut weh, weil ich mir nichts sehnlicher wünsche, als meinen Platz in der Gesellschaft und in meinem Beruf zu finden. Trotzdem gebe ich nicht auf. Ich glaube fest daran, dass Deutschland ein Land sein kann, in dem Menschen nach ihrer Leistung und ihrem Charakter beurteilt werden – nicht nach ihrem Namen oder ihrer Herkunft.

Danke für deine Aufmerksamkeit!

Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das Rote Kreuz nicht für die Inhalte der Geschichten verantwortlich ist. Seine Rolle beschränkt sich auf die mediale Aufarbeitung und Präsentation und spiegelt insbesondere nicht die Meinung des Roten Kreuzes wider. Persönliche Erfahrungen sind vielschichtig, individuell und subjektiv geprägt.