Digitals Buch des DRK Borken
Erfahrung von Herrn T: Plötzlich kamen mehr als vier Polizisten. Anscheinend hatte die Nachbarin die Polizei gerufen. Für einen Moment habe ich das Gefühl, dass ich die deutsche Sprache vergessen habe. Ich lebe seit 35 Jahren in Deutschland, meine Kinder sind hier geboren, meine Enkelkinder auch – aber ich habe die Sprache vergessen. Mein Herz raste, mein Kopf war leer. Ich habe mein Gewerbe, ich habe alles richtig »legal« gemacht, aber trotzdem hatte ich so Angst. Große Angst. Ich habe nichts gemacht, aber leider, manchmal, reichen schon dunkle Haare und Augen, um verdächtig zu sein.
Lieber Herr T, heute (06.05.2025) habe ich viele Polizistinnen und Polizisten kennengelernt. Ja, Du hast es richtig gehört. Am Anfang war es seltsam, ich war nervös, und habe ich mich gefragt, ob ich Dumm bin. Was soll ich in diesem Raum machen? Aber dann war alles okay. Sie waren freundlich, ganz anders, als ich es erwartet hatte. Jeder von ihnen hatte seine eigene Geschichte, seine eigenen schwierigen Erfahrungen. Und da wurde mir klar: Unser größtes Problem ist nicht die Polizei, unser größtes Problem ist die fehlende Kommunikation. Wir reden nicht miteinander. Wir bauen Mauern statt Brücken.
Weder wir noch sie (die Polizei) sind Engel – aber wir können reden. Und das ist entscheidend. Es darf nicht sein, dass schlechte Erfahrungen mit einzelnen Migranten dazu führen, dass wir alle über einen Kamm geschoren werden. Ich zum Beispiel bin anders. Und viele andere auch. Du fragst dich vielleicht: Wie viele sind wirklich »so schlimm«? Ehrlich gesagt – 0,5 Prozent. Nicht mehr. Und trotzdem leiden wir alle darunter. Herr T, wir sehen das Problem. Aber wir finden keine Lösung. Vielleicht, nur vielleicht – sollten wir sie gemeinsam suchen? Auch mit der Polizei? Was meinen Sie?

Danke für deine Aufmerksamkeit!

Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das Rote Kreuz nicht für die Inhalte der Geschichten verantwortlich ist. Seine Rolle beschränkt sich auf die mediale Aufarbeitung und Präsentation und spiegelt insbesondere nicht die Meinung des Roten Kreuzes wider. Persönliche Erfahrungen sind vielschichtig, individuell und subjektiv geprägt.