Digitals Buch des DRK Borken
Ich bin Deutsche, sagt zumindest mein Pass. Genauer mein zweiter Pass, denn ich habe auch noch einen ersten, den von meinem Geburtsland. Seit rund einem halben Dutzend Jahren lebe ich in Deutschland. Ich habe Deutsch so gut gelernt, dass ich sogar die Berechtigung habe, an deutschen Schulen Deutsch zu unterrichten.
Und das Finanzamt liebt mich innig. Immerhin überweise ich in jedem Vierteljahr Steuern dahin. Bin ich nun Deutsche oder doch nicht? Ich trinke kein Bier, esse kein Schweinefleisch und für Fußball interessiere ich mich auch nur mäßig.
Nun habe ich in meinem neuen deutschen Verwandten- und Bekanntenkreis Leute getroffen, die genauso handeln und denken. Und doch haben sie immer nur einen Pass gehabt, den deutschen. Veganer essen auch kein Schweinefleisch. Sind sie jetzt keine Deutschen mehr und müssen auswandern? Oder liegt die Sache vielleicht ganz anders:
Es gibt in Deutschland eine bunte Vielfalt und nicht das Deutsche oder den Deutschen. Abgesehen natürlich von der Sprache und das deutsche Finanzamt… Aber auch die Sprache: Man erzählt sich, dass z.B. Oberbayern und Norddeutschland sich oft besser verstehen, wenn sie beide auf Englisch sprechen…
Das Problem mit den Vermietern kenne ich von anderen, bin aber davon nicht betroffen, da ich in einem eigenen Häuschen lebe.
Liebe Person aus der vorherigen Story: Vor dir habe ich keine Angst, denn deine Worte klingen lieb und freundlich. Aber dass viele Menschen, die mich früher so übel behandelt haben, nun nach Deutschland kommen und mich wieder bedrohen, davor habe ich Angst. Was meinst du: Sollen wir beide uns mal im Café treffen? Natürlich ohne Bier, aber mit einem kräftigen schwarzen Kaffee? Wir könnten miteinander sprechen und lachen.
Und wenn dir jemand etwas Übles will, weil du nicht wie viele andere Deutsche aussiehst, habe ich hoffentlich den Mut, dir beizustehen.
Na und nach dem gemeinsamen Cafébesuch gehen wir vielleicht zusammen zum Finanzamt…

Danke für deine Aufmerksamkeit!

Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass das Rote Kreuz nicht für die Inhalte der Geschichten verantwortlich ist. Seine Rolle beschränkt sich auf die mediale Aufarbeitung und Präsentation und spiegelt insbesondere nicht die Meinung des Roten Kreuzes wider. Persönliche Erfahrungen sind vielschichtig, individuell und subjektiv geprägt.